Förder- und Forderkonzept der Paul-Maar-Schule

1. Ziele und Aufgaben
Jedes Kind in der Grundschule hat einen Anspruch darauf gefördert zu werden. Die individuelle, differenzierende und ermutigende Förderung ist ein Hauptanliegen der Schule und soll Kinder mit Schwierigkeiten fördern und gut begabte Kinder fordern.
In unserem Leitbild ist dieser Gedanke explizit verankert:
„Es ist unser Ziel, Stärken und Schwächen in unsere Gemeinschaft zu integrieren, indem
wir unsere pädagogische Arbeit zur Förderung individueller Stärken einsetzen und gleichermaßen die Bewältigung individueller Schwächen unterstützen. Wir leiten unsere Schülerinnen und Schüler im Umgang mit ihrer Realität, ihrer Kreativität und ihrem Potential an und bieten ihnen unterschiedliche Zugänge zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit, wobei wir die Kinder zur Eigenverantwortung und Selbstständigkeit erziehen."
Sowohl der Förder- als auch der Forderunterricht bietet dafür Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten, entwickelt Grundqualifikationen für das selbstständige Arbeiten, gleicht Defizite bzw. Unterforderung aus, unterstützt bei unterschiedlichen Lernschwierigkeiten und bietet zusätzliches Lernmaterial. Dabei steht das Bemühen, Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gemeinsame Lernerfahrungen zu vermitteln und sie sowohl durch differenzierenden Unterricht im Klassenverband als auch durch den Unterricht in Gruppen zu fördern, im Vordergrund.


2. Allgemeiner Förder- und Forderunterricht
Der allgemeine Forder- und Förderunterricht erfolgt innerhalb des Klassenverbandes durch den Klassen- oder Fachlehrer. Dies kann zum Beispiel durch den Wechsel von offenen und geschlossenen Unterrichtsphasen geschehen, um dem unterschiedlichen Lerntempo der Schüler gerecht zu werden und das gemeinsame Lernen voneinander zu fördern. Auch die Differenzierung von Aufgaben in Umfang und Anforderungsniveau oder geeignetes Förder- bzw. Fordermaterial (z. B. Computerprogramme) sind Möglichkeiten der unterrichtsintegrierten Förderung. Zur gezielten Arbeit in den Bereichen Mathematik und Deutsch können zusätzlich Fördersituationen hergestellt werden, indem innerhalb des Unterrichts leistungshomogene Gruppen gebildet werden.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer schulischen Arbeit stellt die Leseförderung dar, die mit einer wöchentlichen pro Klasse Büchereistunde und verschiedenen begleitenden Leseaktivitäten umgesetzt wird.


3. Förderstunden durch RIKO
Der Schule stehen 24 Stunden Förderunterricht pro Woche durch das RIKO-Konzept zur Verfügung. Diese Stunden liegen parallel zum Klassenunterricht und werden von Förderschullehrkräften erteilt.
Die Stundenverteilung dieses Förderunterrichts richtet sich nach der Anzahl der jeweils zu unterrichtenden Kinder mit diagnostiziertem sonderpädagogischem Förderbedarf und den individuellen Förderbedürfnissen der Kinder in den einzelnen Jahrgangsstufen. Der präventiven Förderung der Schülerinnen und Schüler in den 1. und 2. Klassen soll dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Ziel des Förderunterrichts ist es, das jeweilige Kind entsprechend der individuellen Lernausgangslage, aufgrund einer fundierten Förderdiagnostik in folgenden Bereichen zu einer erfolgreichen Mitarbeit im Klassenunterricht zu befähigen:

- Arbeitsverhalten
- Soziales Lernen
- Wahrnehmungsförderung
- Konzentration
- Motivation
- Lesen
- Schreiben/Rechtschreiben
- Mathematik
- Sprachtraining
- Feinmotorik

Deswegen wird eine möglichst enge Anlehnung an den Unterrichtsstoff der entsprechenden Klasse angestrebt.

Fördermaßnahmen außerhalb des Klassenverbandes sind beispielhaft:

- Förderangebote in Gruppen bei deutlich auffälligen Teilleistungsstörungen bzw. bei Schwierigkeiten in den basalen Bereichen, besonders im 1. Schuljahr
- „Crashkurse" zur kurzfristigen Behebung von Lernschwierigkeiten (z. B. Festigung des Zehnerübergangs)
- Förderung im 2. Schuljahr für Kinder, die im Bereich Lesen und Schreiben und/oder Mathematik noch deutlich unsicher sind
- Förderung für Kinder mit anderer Muttersprache
- Einzelförderung z. B. Basistraining bei Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen


4. Förderstunden Klassenlehrer
Für das erste und zweite Schuljahr steht jeder Klasse mindestens eine Förderstunde zur Verfügung, in der der Unterrichtsstoff vertiefend aufgearbeitet, eingeübt oder ergänzt werden soll. Die inhaltliche Verteilung auf die Fächer Mathematik und Deutsch und die Entscheidung über die Anzahl der zu fördernden Schülerinnen und Schüler obliegt der Klassenleitung und erfolgt gegebenenfalls in Absprache mit betreffenden Fachlehrern.



5. Diagnostische Verfahren
In der Eingangsstufe wird nach der Einschulung zur Feststellung der Lernausgangslage umgehend das teilstandardisierte Verfahren „Bereit für die Schule" (Günther/Probst, Persen Verlag) mit jedem Schüler einzeln durchgeführt und individuell mit dem Klassenlehrer ausgewertet. Dies bietet eine Beobachtungshilfe zum Schulanfang in den Bereichen: Feinmotorik, Grobmotorik, Wahrnehmung, pränumerische Kompetenz, Lateralität, Sprachkompetenz, Artikulation, Phonologisches Bewusstsein, Merkfähigkeit sowie Arbeits- und Sozialverhalten an.

Die Differenzierungsprobe nach Breuer/Weuffen wird zusätzlich bei der Auffälligkeit von Schwierigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt im 1. Schuljahr eingesetzt.

Zusätzlich können Verfahren zur Erfassung von Teilleistungsschwächen und die diagnostischen Einschätzungsskalen (DES) zur Beurteilung des Entwicklungsstandes und der Schulfähigkeit angewandt werden.

Ende der 1. Klasse kann eine Lernstandsanalyse im Lesen und Schreiben als Klassentest (Diagnostische Bilderliste, Dummer-Schmoch/Hackethal) durchgeführt werden.
Ende der 2. Klasse kann der HSP 2 (danach der HSP 3 und der HSP 4) als standardisierter Test zur Erfassung der grundlegenden Rechtschreibstrategien (Peter May, vom Hamburg Verlag) durchgeführt werden. Dies wird ergänzt durch informelle Verfahren zur Überprüfung aller kognitiven Teilbereiche, durch Beobachtungen in der Unterrichtssituation und durch Gespräche mit Eltern und außerschulischen Hilfeeinrichtungen.


5.1 Organisation und Durchführung
1. Durchführung und Auswertung "Bereit für die Schule" (in den ersten zwei bis drei Wochen nach Schulbeginn)
2. Informationsaustausch über Schüler/innen mit Abweichungen mit denGrundschulkolleginnen.
3. Beobachtungen in der natürlichen Klassensituation. Der Informationsaustausch dient der Zusammenfassung aller Beobachtungen im Team als Grundlage für das Verständnis der Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler/innen unter Einbeziehung von Hinweisen aus dem Elternhaus, Kindergarten, schulärztlichem Dienst und Therapeuten etc.

Gegebenenfalls erweiterte Überprüfung einzelner Schüler mit Auffälligkeiten in verschiedenen Bereichen.

Entwickeln von Förderplänen (Förderbereiche und Fördermaßnahmen). Bilden von Fördergruppen mit ausgewählten Förderschwerpunkten in den Bereichen Schreiben, Lesen und Rechnen, die im Rahmen der äußeren Differenzierung durch die Förderschullehrerinnen stattfinden.
Die Förderpläne werden fortlaufend aktualisiert und können sich je nach Förderbedarf des Kindes durch mehrere Klassenstufen ziehen.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern (Elterngespräche) und der Austausch mit außerschulischen Einrichtungen sind Bestandteile der gemeinsamen Anstrengungen zum Wohl des Kindes. Ggf. werden Empfehlungen für außerschulische Fördermaßnahmen (z. B. Ergotherapie, Sprachtherapie, psychomotorische Förderung, Familientherapie etc.) an die Eltern ausgesprochen.
Es können Fallkonferenzen bei Schüler/innen mit besonderen Auffälligkeiten einberufen werden.